Veröffentlicht
August 13, 2026
Angebote schneller und effizienter erstellen (Embuild, Februar 2025)

Angebote schneller und effizienter erstellen und gleichzeitig den Anteil erfolgreicher Aufträge erhöhen: Das ist das Ziel des Genter Startups Spotable. Wie gelingt das? Mit einer eigens entwickelten KI-Anwendung, die speziell auf die Baubranche zugeschnitten ist.
Wenn es um KI-Anwendungen im Bau geht, sind gewisse Reaktionen unvermeidlich: „Schön und gut, aber KI baut keine Häuser“ oder „Bauen ist Menschenarbeit, und das wird KI nie ersetzen.“ Dennoch bieten schon heute mehrere sehr konkrete KI-Anwendungen Bauunternehmen einen erheblichen Nutzen. Spotable ist ein Paradebeispiel. Das Genter Startup hat ein Softwarepaket speziell für Dachdeckerbetriebe entwickelt, doch in naher Zukunft wird das Produkt auf verschiedene weitere Gewerke ausgeweitet.
Effizientere Angebotserstellung
„Spotable ist aus der Erkenntnis entstanden, dass viele Bauunternehmen bei der Angebotserstellung noch sehr traditionell arbeiten“, erklärt Sebastien Vandendriessche, Gründer von Spotable. „Jemand – oft der Inhaber selbst – fährt zum Kunden, nimmt die nötigen Maße und notiert sie auf einem Blatt Papier. Dann fährt dieselbe Person zurück ins Büro, gibt die Maße in den Computer ein und überträgt sie in die ERP-Software. Anschließend wird ein Angebot erstellt, das dieselbe Person wieder zum Kunden bringt. Alles in allem ein sehr zeitaufwendiger Prozess!“
„Wir wissen, dass die Erstellung eines einzigen Angebots im Durchschnitt etwa 6 bis 7 Stunden dauert. Darin enthalten sind der Kundenbesuch, die Datenverarbeitung und das Erstellen des Angebots selbst. Rechnet man all diese Arbeitsstunden zusammen, sieht man, dass jährlich enorm viel Zeit in Angebotsanfragen und deren Ausarbeitung fließt. Wir wissen auch, dass in der Regel nur ein Viertel der Angebote tatsächlich zu einem Auftrag führt; die allerbesten Betriebe erreichen eine Abschlussquote von 30 %. Es fließt also viel Zeit und Energie in Angebote, die am Ende nichts einbringen.“
„Mit Spotable wollen wir die Zahl der gewonnenen Projekte erhöhen und die Angebotserstellung zugleich schneller und effizienter machen. Der Nutzer profitiert also doppelt. Außerdem haben wir versucht, unsere Software in ein benutzerfreundliches Programm mit einfacher Bedienung zu packen, damit jeder sie nutzen kann.“
Spotable berechnet automatisch die Maße von Fassaden und Dächern und wandelt sie in ein 3D-Modell um. Alle relevanten Daten zum Gebäude werden in der Spotable-Plattform gesammelt und helfen dem Handwerksbetrieb auf dem Weg zum Angebot.
KI kombiniert mit Computer Vision
Die Software von Spotable nutzt ein KI-Modell, das verschiedene Parameter kombiniert und analysiert, um die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, dass ein Handwerksbetrieb den Auftrag gewinnt. So kann der Nutzer aus allen Angebotsanfragen die interessantesten und rentabelsten Projekte herausfiltern und sich auf diese konzentrieren. Schließlich lohnt es sich nicht, Zeit und Energie in detaillierte Angebote für Aufträge zu stecken, die man mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gewinnt.
Das KI-Modell nutzt dafür Daten, die aus Satellitenbildern gewonnen werden. „So können wir zum Beispiel Dachflächen anhand von Satellitenbildern sehr genau berechnen“, fährt Sebastien fort. „Unsere Software erkennt aber auch automatisch, ob es sich um ein Flach- oder Steildach handelt, wir können die Art der Dacheindeckung bestimmen, und wenn der EPC-Wert (Energieausweis) jemals online veröffentlicht wurde, wird er sofort hinzugefügt. Wir sehen, ob Moos vorhanden ist oder ob es sich wahrscheinlich um ein Asbestdach handelt … all diese Parameter erscheinen automatisch im System.“
„Mithilfe von Lidar-Technologie (Light Detection and Ranging) können wir außerdem automatisch die Firsthöhe bestimmen. Wir kennen auch den Abstand vom Dach zur Straße, sodass der Handwerksbetrieb weiß, welcher Kran benötigt wird. Kurz gesagt: Sobald Sie eine Adresse eingeben, sammelt unsere Plattform sofort eine Fülle relevanter Informationen, die für das Angebot nötig sind. Gleichzeitig werden die automatisch erzeugten Gebäudemaße in eine 3D-Darstellung des Gebäudes umgewandelt, die der Nutzer von allen Seiten betrachten und drehen kann. Darauf bekommen wir sehr positive Reaktionen; viele Handwerksbetriebe sehen darin einen großen Vorteil. Die KI vergleicht die Objektdaten aber auch mit früheren Angebotsanfragen und Daten aus dem CRM des Nutzers, um die Wahrscheinlichkeit abzuschätzen, das Projekt zu gewinnen. Das ist eine sehr wertvolle Information“, sagt Sebastien. „So kann der Nutzer unter den Angebotsanfragen eine Auswahl treffen und die interessantesten priorisieren.“
Weitere Anwendungen
Darüber hinaus hat das Team hinter Spotable mehrere weitere Funktionen in das System integriert. „Das System erkennt automatisch die Fördermittel, auf die der Kunde Anspruch hat und die Sie auch im Verkaufsgespräch nutzen können. Außerdem können Sie Parkgenehmigungen direkt über Spotable beantragen. Wir wollen Handwerksbetriebe nicht nur beim Angebot unterstützen, sondern bei der gesamten Vorbereitung der Baustelle.“
„Die Software erkennt außerdem automatisch ‚Lookalikes‘ – ähnliche Projekte, die der Nutzer in der Vergangenheit ausgeführt hat. So können Sie beim Kundentermin sofort Beispiele ähnlicher Baustellen zeigen. Das wirkt professionell und erhöht die Chance, den Kunden zu gewinnen. Natürlich können Sie zu jedem Projekt auch Fotos hinzufügen, die Sie im Verkaufsgespräch aufrufen können.“
Prädiktive Angebote
Außerdem enthält Spotable ein Modul, das einen handgezeichneten Plan mit Maßen und Baustellennotizen automatisch umwandeln und der Projektakte hinzufügen kann. „Damit hoffen wir, bald ‚prädiktive Angebote‘ erstellen zu können. Unser Programm wird auf Basis der Daten aus der Skizze und aus früheren Angeboten automatisch ein Angebot generieren. Diese Anwendung ist fast fertig und wird in Kürze eingeführt. Sie können dann einen Kunden besuchen, vor Ort eine kleine Skizze anfertigen, und zwei Stunden später erhält der Kunde ein detailliertes, professionell erstelltes Angebot.“
„Unsere Software lässt sich außerdem mit allen gängigen CRM- und Rechnungsprogrammen integrieren, und kurzfristig wollen wir auch eine Anbindung an große Baustoffhändler bieten, damit Angebote über Spotable automatisch die aktuellen Preise verwenden“, sagt Sebastien. Durch die Kombination all dieser Daten erhält jeder Dachdecker sein eigenes, individuelles KI-Modell.
Verschiedene Einsatzmöglichkeiten
Handwerksbetriebe können Spotable auf verschiedene Weise nutzen. Es ist ein hervorragendes Werkzeug, um schnell eine erste Einschätzung vorzunehmen, ob eine Angebotsanfrage interessant sein könnte. Spotable kann aber auch helfen, die für das Angebot benötigten Daten zu sammeln. So können Sie zum Beispiel über das System Standardformulare an potenzielle Kunden senden und sie bitten, zusätzliche Angaben zu machen, Fotos hinzuzufügen und die Projektanfrage ausführlich zu beschreiben.
Zukunftspläne
„Spotable ist ein ganz junges Unternehmen. Wir bieten unsere Leistungen erst seit Ende 2024 an. Wir sind also noch voll in der Testphase und passen unsere Plattform regelmäßig auf Basis des Nutzerfeedbacks an. Wir arbeiten aber auch an einer Reihe geplanter Erweiterungen. So hoffen wir, unsere Leistungen in diesem Jahr auf Fassaden auszuweiten. Derzeit liegt unser Fokus auf Dächern, aber unser System kann auch Fassadenflächen einwandfrei berechnen. Damit erreichen wir weitere Gewerke, bei denen der Preis pro Quadratmeter oft noch stärker im Vordergrund steht und die deshalb bei Kundenbesuchen und Angeboten effizient arbeiten müssen. Weitere mögliche Zielgruppen sind Garten- und Landschaftsbauer sowie Betriebe, die Einfahrten anlegen.“
„Derzeit sind wir nur in Flandern tätig; wir haben noch keine französischsprachigen Mitarbeitenden, aber auch das wird sich im Laufe dieses Jahres ändern.“
„Uns ist bewusst, dass der Kundenbesuch immer entscheidend bleiben wird. Wir wollen den Besuch nicht durch Spotable ersetzen. Aber wenn Sie verfügbare Daten effizient nutzen und KI auf frühere Angebote und Kundendaten anwenden, erhalten Sie sehr relevante Informationen, die Ihnen als Handwerksbetrieb helfen, effizienter Angebote zu erstellen und die richtigen Leads auszuwählen. Angebote schneller erstellen und die Erfolgsquote erhöhen – genau das wollen wir mit Spotable erreichen. So verbringt der Inhaber weniger Zeit mit Angeboten und mehr Zeit mit der Führung seines Betriebs“, schließt Sebastien.




